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2010-12: Hintertüren allen Ortes

Hintertüren in weit verbreiteter Krypto-Software ist der GAU. Im Herbst sind zwei Fälle bekannt geworden, die uns zu Denken geben sollten.

Im Dezember kamen Gerüchte auf, in der IPSec-Implementierung von OpenBSD könnten Hintertüten eingebaut sein. Anlass hierfür war die Mail eines der Programmierer, die diesen Teil 2000 entwickelt haben. Er habe damals auch eine FBI-Abteilung zum Einbau von Hintertüren beraten.

Das wäre tragisch, denn OpenBSD gilt als eines der sicherste Unixe. Darum, und weil die BSD-Lizenz – anders als die GPL – nicht dazu verpflichtet, dem Kunden den Quelltext zu liefern, ist es bei Herstellern sehr beliebt. So basiert beispielsweise die Firewall GenuaGate des deutschen Herstellers Genua darauf.

Nun ist OpenBSD glücklicherweise öffentlich entwickelt und alle Änderungen sind in einem Versionsverwaltung-Tool hinterlegt. Ein Softwareaudit bracht anscheinend keine Hinweise auf eine Hintertür (siehe Links).

„Da haben wir aber nochmal Glück gehabt!“ (Monty Python, Leben des Brain)

Wesentlich nachdenklicher stimmen mich die Überlegungen von Mok-Kong Shen, ob es möglich wäre Hintertüren in die Schlüsselerzeugung von RSA-Schlüsseln einzubauen. Mok-Kong Shen zeigt, dass durch geschicktes Wählen eines Faktors Schlüssel erzeugt werden könnten, von denen ein Teil bekannt ist und die sich damit wesentlich leichter brechen lassen. Das „Geheimnis“ wäre dann der Algorithmus, mit dem der Faktor berechnet wird.

Zum Problem wird das, wenn der Quelltext zum Erzeugen der Schlüssel nicht öffentlich und damit nicht für jedermann auditierbar ist. Und anscheinend verwenden (fast) alle X.509-Zertifikatsaussteller (Trustcenter) proprietäre Software. Was das für die Verlässlichkeit. Beziehungsweise eben Unzuverlässigkeit, der Trustcenter bedeutet male ich mir lieber nicht aus.

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