Sie sind hier: Startseite Hartmut Goebel CISSP-Geflüster 2012-02: Bring Your Own Life (Glosse)

2012-02: Bring Your Own Life (Glosse)

Firmen, die ihren Mitarbeitern nicht erlauben, ihr eigenes Smartphone, ihr eigenes Notebook oder ihren eigenen Tablet mitzubringen, sind intolerabel, missgeliebt, ganz einfach out. Keine Firma will seine Reputation als „innovativer und attraktiver Arbeitgeber“ aufs Spiel setzen.

Also riskieren die CEOs und Chef-Personaler lieber nichts – es wäre ja auch angesichts des latent drohend Fachkräftemangels fahrlässig. So versorgt man lieber die kontraproduktiven und larmoyanten Security-Spezialisten mit extra-breitem Leukoplast, um sie ruhig zu stellen und entwickelt sogar fleißig weitere „Bring-Your-Own-x“-Angebote, um die kostbaren Fachkräfte zu binden. Spannende White Paper, die kürzlich aus den Personalabteilungen großer Konzerne an die Öffentlichkeit gelangt sind, lassen bahnbrechende Innovationssprünge in Sachen „BYOx“ erwarten.

Einem hessischer Mittelständler beispielsweise setzte bei einer Einrichtung an, die bisher ständig für Klagen sorgte – der Firmenkantine. Mit BYOF (Bring Your Own Food) wurde aus dem Stein des Anstoßes ein Erfolgskonzept. Das langweilige Kantinenessen wurde abgeschafft, die Mitarbeiter bringen nun abhängig von den individuellen Geschmacksvorlieben und gesundheitlicher Vorgeschichte ihre Verpflegung selbst mit ins Büro. Das Unternehmen unterstützt das Projekt, indem es formschöne Henkelmänner in den Saisonfarben Hellgrün und Orange zum Kauf anbietet, die individuell mit den Lieblingsspeisen befüllt werden können.

Spannend auch das Konzept BYOC, das im Ingolstädter Stammhaus von Audi seit Januar diesen Jahres praktiziert wird. Die Idee zu „Bring Your Own Car“ lag insofern nahe, da zumindest bei den deutschen Arbeitnehmern das Auto noch wichtiger als sein iPhone ist. Sie erspart dem Mitarbeiter den doch eher lästigen Umstieg in den unpersönlichen Firmenwagen: In Ingolstadt müssen sich die Mitarbeiter nicht mehr an die firmeneigenen Audi A4 und A5 umgewöhnen, sondern dürfen ohne Druck seitens der Firmenleitung im eigenen Toyota oder Fiat zur Arbeit kommen.

Auch Anbieter werden aktiv. Das Möbelhaus Ikea hat bereits eine ganze Abteilung in seinem Showroom auf den neusten BYOC-Trend (Bring Your Own Chair) abgestimmt. Ergänzt wurde – synonym zur Family Card – eine Office-Karte, mit der Mitarbeiter bestimmter Firmen ihre eigenen Büroausstattung zu günstigen Preise einkaufen und dann ihr Büro damit möblieren können.

Einige Modelle enthalten jedoch gehörigen Sprengstoff. So der neuste Ansatz von IBM, die erst kürzlich mit provokanten Personalstrategien von sich reden machte. Mit seinen Konzepten IBM-BYOW (Bring Your Own Work) und IBM-BYOM (Bring Your Own Money) – beide noch „Non Disclosure“ – könnte das Unternehmen allerdings für Uweiter Schlagzeilen sorgen: Sie gewähren in einer klassischen win-win-Situation einerseits dem Mitarbeiter alle nur vorstellbare Individualität und Freiheit, andererseits dem Arbeitgeberunternehmen eine Toprendite: BYOW stellt dem Mitarbeiter frei, die eigenen Arbeit mitzubringen und erspart IBM damit unter anderem die Vertriebsabteilung. Mit BYOM endet sogar die finanzielle Abhängigkeit der Mitarbeiter, indem er sein Gehalt selbst übernimmt. So können die Arbeitgeber entlastet werden und neue Arbeitsplätze schaffen, die sich wiederum mit BYOM selbst finanzieren. Das perfekte Perpetuum-Mobile, bei dem jedoch unsere Arbeits- und Wirtschaftsministerien noch ein Wörtchen mitzureden haben werden.